Für Gerne-Leser:

 

Heidekraut, das gar keins ist ... ©skb2014

 

Der Kutscher heißt Wolfgang und er kennt Zaasch, kleiner Ort im Landkreis Bitterfeld. Ein winziger Punkt auf der Landkarte, dem gegenüber allerdings Wilsede in der Lüneburger Heide/ Nordheide noch etwas kleiner erscheint. Doch Wilsede ist berühmt. Zaasch in Sachsen/ Anhalt kennen nur sehr wenige Leute, die anderswo leben …

 

Am 23. August 2014, morgens um 10 Uhr, ist schon angespannt. Wolfgang fährt raus mit seinen ersten Kutschgästen an diesem Tage. Die sind pünktlich, besetzen gemütlich seine Elfer-Kutsche, die zum Glück überplant ist. Das Wetter ist vorherbstlich: kühl, feucht und selten Sonnenblitzer zwischen den Bäumen.

 

Trotzdem ist die Stimmung der Gäste sehr fröhlich, ausgelassen und kommt damit auch dem Kutscher entgegen. Solche Gäste chauffiert er gern. Sie sind aufmerksam, anständig und froh, nicht auf einem Kremser zu sitzen wie die Heringe oder platt wie Flundern …

 

Ankunft in Döhle. Foto ©skb2014
Ankunft in Döhle. Foto ©skb2014
Döhle, vor Abfahrt der Kutsche. Foto ©skb2014
Döhle, vor Abfahrt der Kutsche. Foto ©skb2014

 

In Döhle, Abfahrtsort für zahlreiche Heidekutschen, ist Hochstimmung. Alle Heidekutscher leben ihre Saison und schmunzeln, kommen zu den bestellten Fahrten noch viele Anfragen von Touristen, die spontan meinen, eine zuerst ins Auge fallende Kutsche stünde ihnen auch gleich zur Verfügung.

Wolfgang sagt: „Tja, so sind sie, die Urlauber. Gestern erst kamen zwei mit in Niedersachsen fremden Dialekt, die sofort los in die Heide wollten. Ich fragte sie, woher sie kommen und erhielt prompt die Auskunft „Aus Chemnitz“, früher auch: „Korl-Morx-Stadt“ genannt, zu DDR-Zeiten, versteht sich, die ich auch noch kenne...“ Wolfgang sagte den kutschwilligen Wanderern: „Gommt ma heite am Nochmiddag widder. Da ist noch eene Tour frei bei mir ...“

 

Auf dem Weg nach Wilsede. Foto ©skb2014
Auf dem Weg nach Wilsede. Foto ©skb2014

 

Seine Vormittagsgäste am 23. August sprechen auch sächsischen Dialekt, doch eher die Leipzscher Ecke. Nur eine Frau ist dabei, die sich nicht verkennen lassen möchte: Eine fröhliche Niedersächsin, abstammend Nähe Uelzen. Das ist ein Ort mit bekanntem Hundertwasser-Bahnhof. Tja, Wolfgang weiß auch davon. Er kam schon überall in Deutschland herum. Zaasch bei Bitterfeld ist nur eine der vielzähligen Stationen, die Wolfgang seinen fröhlichen Gästen benennt. Einer von denen stammt aus Delitzsch. Wie heißt du? Frank! Ach so, scheinst ein ganz gemütlicher Sachse zu sein und die beiden anderen jungen Leute ganz hinten, letzte Reihe? Die sind gerade am Kuscheln und antworten nicht. Doch unverkennbar ist die Frau woanders her, nicht aus Sachsen. Kutscher Wolfgang kriegt es mit: Weißes Gesamtoutfit und Stiefelchen mit Pfennigabsätzen. Damit fährt kein Sachse in die sandige Heide, nach Wilsede, übern Berg, entlang der Wiesen und Weiden, auf denen die Heidschnucken stehen …

 

Erste Eindrücke ... Foto ©skb2014
Erste Eindrücke ... Foto ©skb2014

 

Kutscher Wolfgang weiß: Der Sachse rechnet mit dem Unvorhergesehenen. Wer aber nicht? Na, vielleicht der Berliner! Nee, nicht jener, den die Bäckereien kennen, sondern der angestammte Hauptstädter oder Einwohner im Umland Berlins liegender Siedlungsorte. Das könnte so ein ...

Eine Berlinerin also, ganz hauptstädtisch angetan, sitzt sie fröstelnd auf Wolfgangs Heidekutsche und kuschelt mit ihrem Liebsten. Tja, so ist das. Wolfgang kennt alles, weiß alles, ahnt momentweise, plant voraus und schmunzelt sich weiterhin eins. Die Dame aus Uelzen ist sehr gesprächig, weiß von Pferden, Kutschen, Land und Leuten viel. So erfährt auch der Heidekutscher an diesem Tage Neues. Das macht ihn fröhlich.

 

In der ersten Reihe neben Wolfgang sitzt ein ganz junges Pärchen. Die turteln auch, sind gerade ein reichliches Jahr verheiratet. Ihre Ehe ist eine Verbindung zwischen Sachsen und Thüringen. Na freilüsch, ma muss ja ooch een bissel boliddisch denken … bzw. freiheitlich: schmiedete das junge Paar mit seinem Bund fürs Leben doch gleich auch zwei Freistaatler zusammen. Manchmal kann es nützlich sein. Das beweist schon die Geschichte.

 


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