Die Heidekutsche ist noch keine halbe Stunde auf Tour, da weiß Wolfgang bereits sehr viel von seinen Gästen. Darum wechselt er nun das Thema:

„Wißt ihr eigentlich etwas über die Lüneburger Heide? Zum Beispiel, dass das uns als „Heidekraut“ und „Erika“ bekannte wunderschöne Pflänzchen gar kein Kraut ist, sondern ein Gehölz, botanisch ganz so eingetragen.“

Nicht-Niedersachsen unter seinen Kutschgästen staunen jetzt. Die Einen aus sich heraus: „Wirklich? Da wäre ich nicht drauf gekommen!“

Die anderen in sich hinein: 'Peinlich, man sollte sich doch als Erwachsener besser allgemeinbilden.' Plötzlich herrscht Ruhe auf der Elferkutsche …

 

  Heidekraut gehört zu den Gehölzen. Foto ©skb2014
Heidekraut gehört zu den Gehölzen. Foto ©skb2014

 

Eine Kurve weiter schon ist es damit aber endgültig vorbei. Es tut sich auf die blüteträchtige Heide, jedem Auge, allen Sinnen! …

 


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Weit erstreckt sich die Fläche gen Horizont in zartem Rosé bis Lila-violett. Da die Heide ein hügeliges Land ist, das Senken und sanfte Höhen aufweist, dazwischen ausgedehnte Wiesen und Weiden liegen, bietet sich allen Sinnen ein sehr abwechslungsreiches Bild, das hör- und spürbar jeden Kutschgast aufatmen lässt. Irgend jemand fragt den Kutscher, ob er das auch noch in sich spürt … nach so vielen Heidekutschfahrten in mehr als elf Jahren Saison, die Wolfgang preisgibt schon erlebt zu haben mit seinen Pferden. „Na freilüsch!“ Wolfgang ist inzwischen durch und durch versierter Heidekutscher, die alle einen besonderen Status besitzen, denn nicht jedermann darf eine Kutsche chauffieren. Dazu braucht es eine Ausweisung über die Berechtigung, Kutschen mit Fahrgästen führen und lenken zu dürfen - ähnlich der Personenbeförderung mit Kraftfahrzeugen. Dieser Status macht einen Pferdekutscher erst zu einem Heidekutscher und alle im Verein/ Verbund Lüneburger Heide organisierten Unternehmen zu stolzen Kutschfahrbetrieben.

 


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Wolfgang lenkt seine Elferkutsche geradewegs nach Wilsede, dem winzigen Punkt auf der Landkarte mit bundesweiter Berühmtheit. Das lässt sich so sagen, denn in Wilsede steht ein altes Fachwerkhaus, das Heidemuseum, mit einer ganz ungewöhnlichen Geschichte zu seiner Herkunft und Entstehung. Unweit der altehrwürdigen Mauern dieses Museums sieden während jeder Saison Heidjer ihr Salz und backen das Heidebrot.

Es gibt in diesem winzigen Wilsede noch mehr Attraktionen, die sich bestaunen und auch begehen lassen. Doch die heutigen Fahrgäste des Heidekutschers scheinen eher auf viele naturschöne Eindrücke zu stehen, wollen die Harmonie und Ruhe der Heide genießen. So ist dann gelegentlich auch nur noch das Trappeln der Pferdehufe zu vernehmen oder das Klicken einer Digitalkamera ...

 


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Die Straße, die nach Wilsede führt ist alt, das Kopfsteinpflaster auch. Die Kutsche rumpelt geräuschvoll dahin und weicht gelegentlich entgegen kommenden Kutschen aus. Doch ab und zu schleichen auch Autos heran, die eine Sondergenehmigung brauchen, überhaupt auf dieser alten Straße fahren zu dürfen. Der Kutscher lehnt sich dann weit hinaus und versucht, die hinter den Frontscheiben der Kraftfahrzeuge sichtbar zu hinterlegenden Berechtigungen zu erspähen. Es gibt immer wieder Sünder … wie überall. Manchmal grüßt er vorbeiziehende Kollegen auf ihren Kutschen. Er kennt sie alle. Die Bewegungen jeder Kutsche sind koordiniert, vor allem das gegenseitige Ausweichen auf der schmal gepflasterten Straße, die rechts und links angrenzend ausgefahrene Sandspuren aufweist, durch die sich die Räder der Kutschen mahlen.

 

 

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