Während Kutscher Wolfgang seine gut gepflegten Tiere betreut, begeben sich seine Gäste im Dorfrund zwischen die wenigen Gebäude, nähern sich dem Museum, vor welchem schon eine Tafel bezeugt, wie es entstand und nach Wilsede kam, denn original wurde das alte Fachwerk ganz woanders errichtet. Wer mehr erfahren möchte, muss nach Wilsede. Hier wird nichts verraten.

 

Neben der Gastwirtschaft öffnet sich der Eingang eines Souvenirladens. Viele Gäste steuern hinein, etliche davon aber, so leer wie den Eingang betreten, anschließend auch wieder hinaus. Den Leuten sitzt die Knete nicht mehr locker zwischen den Fingern und Andenken an die Lüneburger Heide besitzen außer anmutigem Reiz auch gewisse Preise.

 

Touristen sind fast immer übergewichtig, würden zumindest die Kutschpferde sagen wollen, könnten sie sprechen. So bewegen sich also die Wilseder Gäste, hier gern auch als Kunden gesehen, emotional als auch physisch immer auf und ab: Kaufen wir etwas oder gehen wir lieber ins Museum? Lohnt es sich, ein Steinofenbrot zu erstehen oder in der Gastronomie einzukehren? Dort vorne gibt es Fettbemme!

 


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Der erste Sachse hält solche schon in der Hand. „Kost` een Euro ...“, gibt er preis und genießt schmatzend, um zu demonstrieren: Dieses Fett hält, was die Werbung seiner Produzenten verspricht. Jedenfalls - mit Grieben und Schmalz - ist es das beste Fett im überschaubaren Umkreis. Dieser immerhin reicht mit dem Auge bis zu den Pferdekutschen und in anderer Richtung bis hinter einen üppig blühenden Kräutergarten, der in Wilsede auch noch besticht.

Einer fragt: „Wie viele Menschen leben hier in diesem Ort?“ Es wimmelt auf einem Viertel Hektar nur so von Leuten. Darunter kaum einer, der tat&wahr zu den Einwohnern Wilsedes zählt. Selbst die Angestellten der Gastronomie lassen sich täglich mit dem PKW heran chauffieren.

 

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Übrigens erzählt an diesem Tage Kutscher Wolfgang auch davon, dass im Naturpark berittene Polizeistreife ihre Kreise zieht. Gelegentlich fragt er sich allerdings, wann und wo. Seine Gäste wiederum fragt er, ob sie gut finden, dass es solchen Polizeischutz gibt. Diese wiederum rätseln, was damit bezweckt wird, berittene Polizei durch die Landschaft zu schicken. Erklärungsansätze gibt es auch, die reichen von der Annahme, Wilderer könnten die schöne Gegend unsicher machen bis hin zu verlaufenen Wanderern, die eventuell auf den rechten Weg zurück gebracht werden müssen …

Aber dann ist auch noch die Rede vom grundsätzlichen Verbot, Fauna und Flora des Landschaftsschutzgebietes zu beeinträchtigen. Nicht selten finden Versuche statt, die Heideflächen zu missachten, ihnen Sträuße oder gar bewurzelte Pflanzen zu entreißen, Müll illegal zu entsorgen (wozu auch heimlich von den mit Touristen beladenen Kutschen geworfene leere Flaschen gehören) und da ist auch noch die gewalttätige Kriminalität. So zu hoffen, dass alle immer davon verschont bleiben. Doch wer weiß das in aktuellen Zeiten, in denen täglich ganz viele solcher unguten Nachrichten durch die Medienlandschaft huschen.

Bleibt nur, dem kleinen, friedfertigen Ort Wilsede inmitten seiner idyllischen Lage zu wünschen, dass die berittene Polizei in wichtigen Momenten immer den richtigen „Riecher“ beweist.

 

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Nach einer Stunde Wilsede gibt es noch einmal Mohrrüben für die Pferde und Kutscher Wolfgang wundert sich, dass ihn noch keiner seiner Gäste an diesem Tage nach einem kleinen Umtrunk auf der Kutsche fragt.

Ja selbstverständlich! Ein Kutscher führt auch solche Sachen zum Anbieten mit: Flaschenbier und lütte Schluckis, verschiedene Sorten. Aber „Kräuter“ ist >in<, schließlich befinden wir uns gerade in einem wahren Kräuterparadies ... 

 

Na dann: PROST!


 

Die Kutsche rollt auf ausgefahrenen Wegen weiter. Gelegentlich kommen ihr einzelne Wanderer, Fahrradfahrer und auch Reiter entgegen. Manche Leute sind sehr nett, grüßen freundlich, winken und wenden ein paar urlaubsfrohe Worte an alle, die einer Kutsche aufsitzen. Meist antwortet der Kutscher. Diesmal ist es eine einzelne Wanderin, die daher kommt. Sie bestaunt die schönen Pferde. Wolfgang lässt kurz halten. Für ein bisschen Konversation nimmt er sich gern auch mal Zeit.

 

                               Woher des Weges und wohin die Frau?

                               Von hier nach da und dann nach dort!

 

                               Bekommt der Urlaub Leib und Seele?

                               Jaaa, hier ist gut Sein und Wollen …

 

                               Freut mich, liebe Frau, nur weiter so!

                               Ich danke guter Mann, höre es gern.

 

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