Am Totengrund vorbei fährt die Kutsche langsamer und Wolfgang erzählt eine Geschichte:


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„Früher trugen die Leute von Wilsede ihre Toten hier her zum Bestatten … Dabei nutzten sie nicht die üblichen Wege, sondern gingen Umwege durch das Tal. Dieser Ort, der zur Bestattung der Toten genutzt wurde, ist der bekannteste Talkessel am Wilseder Berg.“

 

Immerhin erhebt sich dieser "Berg" 169,2m über Normal Null. Da ist eine sanfte Delle schon ein Tal. Das kann so gelten. In der Lüneburger Heide gibt es inzwischen auch den Scherz, dass „fünfzig Meter“ wohl schon ein „Berg“ seien:

 

                                          Wo wohnst du?

                                          Dort, auf dem Berg.

 

                                          Ach, das blaue Häuschen?

                                          Ja, genau das.

 

                                          Steht dein Haus auf einem „Berg“?

                                          Allemal.

 

                                          Fünfzig Meter sind ein „Berg“?!

                                          Allemal.

 

Foto ©skb2014
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Nun ist klar, fünfzig Meter sind ein BERG in der Lüneburger Heide ...

 

Der Kutscher muss zurück nach Döhle, an den Ausgangspunkt der insgesamt vierstündigen Heidefahrt. Dort warten bereits die nächsten Gäste. Darum wird es diesmal mit einem ausgiebigen Abstecher in den wunderschön mit Heide und Wachholdern bewachsenen Totengrund nichts. Den aktuellen Fahrgästen ein guter Grund zum Wiederkommen im nächsten Jahr. So soll es sein, so freut sich der Kutscher.

 

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Wieder geht es vorbei an blühenden Heideflächen. Der letzte Eindruck zählt viel, ist gute Werbung. Vorn ein weiterer Heidschnuckenstall, dessen Dach erahnen lässt, dass dieser erst kürzlich neu mit Reet gedeckt wurde. Kutscher Wolfgang erklärt, dass auf das Dach des älteren Teils vom riesig wirkenden Stall neu aufgelegt wurde, aber auch der neuere, erweiternde Anbau natürlich neues Reet trägt. Trotzdem bemerken seine Gäste, dass es scheint, als sei nur ein Teil des gesamten Dachstuhles erneuert worden. Den Außenwänden des Objektes sieht keiner wiederum auch nur einen jüngeren Nachbau an. In kürzester Zeit werden Sonne, Wind und Regen es schaffen, die letzen Spuren davon ins Vergessen geraten zu lassen …

 

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Zurück bleibt die Heide in ihrer herrlichsten Blüte und vor Wolfgangs Kutsche tun sich nochmals weite Grünflächen auf, die als Weiden für die Heidschnucken dienen. Frau Sonne scheint etwas Mittagsruhe halten zu wollen und zieht sich endgültig hinter einige graue Wolken zurück, die in mäßigem Wind über die Heide fliehen.

 


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Die Kutsche holpert gen Döhle. Heidemarie, die Stute aus Bayern, ist müde. Ihr gefällt nicht unbedingt, dass sie noch weiterlaufen soll, sie trödelt und der Kutscher setzt ein letztes Mal seine Gerte ein, der Stute klar zu machen, dass sie noch weiter muss. Links von ihr läuft der „Ossi“, so des eingespannten Hengstes Namen. Alle Fahrgäste lachen. Es ist lustig: Wolfgang, der Kutscher, der Zaasch im Kreis Bitterfeld kennt und sogar noch aus alten DDR-Zeiten, lobt den „Ossi“ über alle Maßen. Gegen Stute Heidemarie ist dieser wirklich pflegeleicht und willig. Das mag bei beiden Tieren an jeweiligen Vorerfahrungen liegen, mutmaßt Wolfgang und schmunzelt wieder. „Immerhin“, sagt er, „sind meine zwei Pferde was ihre Entleerungsbedürfnisse angeht, sehr ordentlich.“ Hörbares Amüsieren kreist deswegen unter den Gästen. Einer merkt an: „Der Ossi setzte seine Äpfel noch vor Wilsede ab. Die Heidemarie hinter Wilsede, als wir in Richtung Totengrund fuhren.“ Wolfgang bestätigt und ergänzt: „Das machen die Beiden immer so. Für mich ist das sehr gut so. Im Ort Wilsede nämlich, da müßte ich die ganze Äppelei wegmachen ...“

Später will sich einer der Kutschgäste sogar erinnern, von Wolfgang gehört zu haben, dass in solchen Fällen von den Kutschern auch eine Gebühr entrichtet werden muss. Aber das ist nicht belegt und der Erinnerung aller Kutschgäste dieses Tages anheim gestellt …

 

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